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  • Shabnam Miller


Es gibt keinen Pflegenotstand, es gibt einen Gehaltsnotstand in der Pflege!

Es gibt den Notstand, wie ein ausgebildeter professioneller Erwachsener behandelt zu werden.


Es gibt keinen Mangel an Menschen die in der Pflege arbeiten würden, sondern derer, die unter diesen Umständen arbeiten würden.


Ich bemerke eine Tendenz bei meinen Kollegen, sich nach anderen Möglichkeiten umzuschauen, ihren

Lebensunterhalt zu verdienen. Der Pflexit hat bereits begonnen und es sind nicht nur die ungeimpften

Pflegekräfte, die gehen werden. Es gehen auch all jene, die keine Möglichkeit mehr sehen diesen wundervollen

Beruf mit gutem Gewissen weiterhin auszuüben. In den letzten 2 Jahren haben wir unsere Toleranzgrenze,

wegen unserem Verantwortungsbewusstsein noch weiter nach unten geschraubt. Wir dachten, dass jetzt endlich

einmal hingeschaut und etwas unternommen wird. Dass man die mangel- und lückenhafte Politik für die Pflege in

den Angriff nehmen würde. Es wurde vom Pflegebonus gesprochen und von Anerkennung.

Liebe Politiker, wir brauchen ihre Anerkennung nicht, wir brauchen Regularien, Tarifverhandlungen,

Pflegeschlüssel und noch viel mehr. In den 2 Jahren der

Pandemie ist leider nichts passiert und jetzt sollte

endlich damit begonnen werden, wenn sie das Gesundheitssystem nicht völlig gegen die Wand fahren wollen!


Das Fehlverhalten, das dazu führt, dass es einen Pflegemangel überhaupt gibt, ist eindeutig.




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  • Shabnam Miller

Updated: Apr 5

Jeder Mensch, der sich entschieden hat, in der Medizin zu arbeiten, ist hier wegen der Medizin und nicht um Geld zu generieren. Wir machen den Job, weil wir ihn und die Menschen, mit denen wir zusammenarbeiten irgendwie lieben. Es geht nur so!

Was mir momentan Sorgen bereitet ist, wie das Thema #Triage in den Medien und in der Bevölkerung diskutiert wird. Soll allein der Impfstatus darüber entscheiden, wer eine Behandlung erhält und wie diese auszusehen hat?


Haben wir eigentlich nicht gelernt, dass jeder Patient, gleichbehandelt wird und das Ziel einzig und allein das bestmögliche Ergebnis für den Patienten ist? Wenn wir jetzt anfangen Menschen zu unterscheiden zwischen Gut und Böse, wo soll das hinführen?


Werden wir demnächst Raucher, Sportler oder Fettleibige auch nicht mehr behandeln, da sie es selbst verursacht haben?


Ich arbeitete einmal mit einem Chirurgen zusammen, der einen Vertrag mit einem Gefängnis hatte. Also operierten wir regelmäßig Gefängnisinsassen. Diese wurden von Polizisten in Handschellen an Händen und Füßen in den OP gebracht. Die Handschellen wurden erst entfernt, als der Patient schon tief unter Narkose war. Egal ob sie Mörder, Vergewaltiger oder Sonstiges waren, sie wurden von uns, dem Klinikpersonal, wie jeder andere Patient behandelt. Unsere eigenen Bedürfnisse, Empfindungen oder Meinungen hatten nichts in der Behandlung und der Therapie des Patienten zu suchen. Wir gaben unser Bestes, egal welche persönlichen Anliegen wir hatten.


Es war und ist nicht unsere Aufgabe zu urteilen, sondern zu versorgen!


In dieser Klinik, die in der Stadtmitte einer großen Stadt lag, kamen Obdachlose, Prostituierte, HIV+, Drogenabhänge mit Spritzenabszesse und unzählige Andere, die einfach versorgt wurden und immer noch werden, ganz egal wie man als Einzelner über dessen Lifestyle denken mag. Das bedeutet nicht, dass das Klinikpersonal wie Heilige höchstpersönlich herumlaufen. Denn wir sind teilweise auch frustriert, haben schlechte Tage und urteilen. Dennoch erinnern wir uns immer und immer wieder an den medizinischen Ethos.


Jeder Mensch sollte die gleiche medizinische und pflegerische Behandlung erhalten!


Jeder der denkt, er könnte jetzt darüber debattieren, wer es verdient hat behandelt zu werden und wer nicht, sollte sich schämen! In der Klinik werden bereits jeden Tag wichtige Entscheidungen, mit dem Patienten oder den Angehörigen gemeinsam getroffen.


Jeder der sich für eine Sache entschieden hat und hofft, dass diejenigen die sich für eine andere Sache entschieden haben, krank werden oder gar sterben, nur damit man eine Bestätigung für seinen eigenen Standpunkt erhält, hat ein ethisches und moralisches Problem und ich rate dringend dazu, sich einmal mit Menschen der gegenüberliegenden Seiten auszutauschen!


Wenn diese Pandemie irgendwann vorbei ist, werden wir uns alle eine Menge zu verzeihen haben und das kann vielleicht sogar die größte Herausforderung werden.


Egal ob pro oder kontra - die Spaltung muss aufhören!


Man muss wieder miteinander reden und dem anderen zuhören, ohne schon eine Antwort im Kopf zu formulieren. Einfach Zuhören, um den Standpunkt des anderen zu verstehen.


Wir schaffen es nur gemeinsam!


Mich haben die Arbeit und meine Kollegen oft aufgefangen und dafür bin ich unendlich dankbar.


Egal was das neue Jahr bringen wird. Ich bin voller Hoffnung und Vertrauen - auch in meine Mitmenschen!


~Shabnam


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  • Shabnam Miller

Ich muss mich nochmal zu Wort melden.


Ich kann es immer noch nicht fassen, was gerade mit uns passiert. Die Politik tut so, als ob das Klinikpersonal keine Schmerzgrenze hat.


Ich werde immer wieder gefragt, was ICH denn jetzt ab März mache werde.


Meine Gegenfrage an Euch:


Was macht IHR denn jetzt ab März, wenn wir weg sind?


Was denkt IHR was passiert?


Wollt IHR euch an den OP-Tisch stellen?


Was denkt ihr beinhaltet dieser Job? Ein bisschen Pinzette und Schere anreichen?


Oder wollt ihr vielleicht doch lieber auf der Intensivstation arbeiten? Habt ihr schon mal einen Intensivpatienten gesehen? Denkt ihr, dass es reicht, nur den Alarmknopf stumm zu schalten, wenn er läutet?


Wen wollt ihr einem noch unerfahrenen Anästhesisten zur Seite stellen, um einen Patienten zur Narkose einzuleiten? WIR helfen mit, die Ärzte von morgen anzulernen.


Und auch unsere ärztlichen Kollegen wollen tatsächlich einfach nur ihre Arbeit machen, ohne dass sie noch irgendwelche zusätzlichen Arbeiten, wegen Personalmangel aufgebürgt bekommen.


Es ist an der Zeit, dass die Bevölkerung uns kennenlernt. Wir stellen uns nun mit dem Hashtag #gesichterderklinik vor.



Und noch einmal zurück zum Thema Impfpflicht für die Pflege:


Uns wird ein Berufsverbot ausgesprochen, weil wir Patienten durch eine Nichtimpfung gefährden würden, obwohl wir die letzten 2 Jahre ohne Schutz, teilweise auch ohne richtige Schutzkleidung gearbeitet haben.


Wisst ihr was patientengefährdend ist?


- wie am Fließband an Menschen zu arbeiten


- ständig im Hinterkopf zu haben, dass wir irgendwelche Zahlen erreichen müssen


- völlig übermüdet zu arbeiten. Denn während eines Bereitschaftsdienstes müssen die Notfälle versorgt werden, egal ob man bereits 12 Stunden am OP-Tisch gestanden hat. (Zur Information: Das Arbeitszeitschutzgesetz gilt für uns nicht!!!)


- wenn Betten während einer Pandemie abgebaut werden


- wenn man Intensivpflege während einer Pandemie aus Willkür aus dem Beruf drängt. Sie sind so schnell nicht ersetzbar! Es dauert mehrere Jahre, bis man zur Anästhesie- und Intensive Fachkrankenschwester/pfleger ausgebildet ist


- wenn die Notfallbesetzung auf Station zur Standardbesetzung wird.


Liebe Politiker, das und viel mehr ist patientengefährdend!


Warum haben Piloten und Flugbegleiter Ruhepause einzuhalten und bei uns gibt es Sonderregelungen, die dafür sorgen, dass für uns das Arbeitszeitschutzgesetz nicht gilt?


Warum gibt es Regeln für Handwerker, wie lange sie eine FFP2 Maske tragen dürfen, bevor es gesundheitsgefährdend wird und uns ist es zumutbar, diese FFP2 Masken im Bereitschaftsdienst bis zu 24h zu tragen?


Hat das Klinikpersonal keine Schmerzgrenze?


Es geht nun nicht mehr alleine nur um die Impfpflicht im Gesundheitswesen und das daraus resultierende Berufsverbot.


Liebe Politiker, sie wollen über Patientengefährdung reden, dann lassen Sie uns beginnen!


~Shabnam


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