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  • Shabnam Miller

Impfpflicht 3/3

Updated: Apr 5

Jeder Mensch, der sich entschieden hat, in der Medizin zu arbeiten, ist hier wegen der Medizin und nicht um Geld zu generieren. Wir machen den Job, weil wir ihn und die Menschen, mit denen wir zusammenarbeiten irgendwie lieben. Es geht nur so!

Was mir momentan Sorgen bereitet ist, wie das Thema #Triage in den Medien und in der Bevölkerung diskutiert wird. Soll allein der Impfstatus darüber entscheiden, wer eine Behandlung erhält und wie diese auszusehen hat?


Haben wir eigentlich nicht gelernt, dass jeder Patient, gleichbehandelt wird und das Ziel einzig und allein das bestmögliche Ergebnis für den Patienten ist? Wenn wir jetzt anfangen Menschen zu unterscheiden zwischen Gut und Böse, wo soll das hinführen?


Werden wir demnächst Raucher, Sportler oder Fettleibige auch nicht mehr behandeln, da sie es selbst verursacht haben?


Ich arbeitete einmal mit einem Chirurgen zusammen, der einen Vertrag mit einem Gefängnis hatte. Also operierten wir regelmäßig Gefängnisinsassen. Diese wurden von Polizisten in Handschellen an Händen und Füßen in den OP gebracht. Die Handschellen wurden erst entfernt, als der Patient schon tief unter Narkose war. Egal ob sie Mörder, Vergewaltiger oder Sonstiges waren, sie wurden von uns, dem Klinikpersonal, wie jeder andere Patient behandelt. Unsere eigenen Bedürfnisse, Empfindungen oder Meinungen hatten nichts in der Behandlung und der Therapie des Patienten zu suchen. Wir gaben unser Bestes, egal welche persönlichen Anliegen wir hatten.


Es war und ist nicht unsere Aufgabe zu urteilen, sondern zu versorgen!


In dieser Klinik, die in der Stadtmitte einer großen Stadt lag, kamen Obdachlose, Prostituierte, HIV+, Drogenabhänge mit Spritzenabszesse und unzählige Andere, die einfach versorgt wurden und immer noch werden, ganz egal wie man als Einzelner über dessen Lifestyle denken mag. Das bedeutet nicht, dass das Klinikpersonal wie Heilige höchstpersönlich herumlaufen. Denn wir sind teilweise auch frustriert, haben schlechte Tage und urteilen. Dennoch erinnern wir uns immer und immer wieder an den medizinischen Ethos.


Jeder Mensch sollte die gleiche medizinische und pflegerische Behandlung erhalten!


Jeder der denkt, er könnte jetzt darüber debattieren, wer es verdient hat behandelt zu werden und wer nicht, sollte sich schämen! In der Klinik werden bereits jeden Tag wichtige Entscheidungen, mit dem Patienten oder den Angehörigen gemeinsam getroffen.


Jeder der sich für eine Sache entschieden hat und hofft, dass diejenigen die sich für eine andere Sache entschieden haben, krank werden oder gar sterben, nur damit man eine Bestätigung für seinen eigenen Standpunkt erhält, hat ein ethisches und moralisches Problem und ich rate dringend dazu, sich einmal mit Menschen der gegenüberliegenden Seiten auszutauschen!


Wenn diese Pandemie irgendwann vorbei ist, werden wir uns alle eine Menge zu verzeihen haben und das kann vielleicht sogar die größte Herausforderung werden.


Egal ob pro oder kontra - die Spaltung muss aufhören!


Man muss wieder miteinander reden und dem anderen zuhören, ohne schon eine Antwort im Kopf zu formulieren. Einfach Zuhören, um den Standpunkt des anderen zu verstehen.


Wir schaffen es nur gemeinsam!


Mich haben die Arbeit und meine Kollegen oft aufgefangen und dafür bin ich unendlich dankbar.


Egal was das neue Jahr bringen wird. Ich bin voller Hoffnung und Vertrauen - auch in meine Mitmenschen!


~Shabnam


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